Beschlüsse der 80. GMK am 04. und 05. Juli. 2007 in Ulm
Beschluss der 80. Gesundheitsministerkonferenz der Länder
vom 5.6.2007, TOP 10.2
Psychiatrie in Deutschland - Strukturen, Leistungen, Perspektiven
Die Gesundheitsministerkonferenz hat einstimmig beschlossen:
Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Gesundheit der Länder nehmen den Bericht der AOLG/AG Psychiatrie "Psychiatrie in Deutschland – Strukturen, Leistungen, Perspektiven" zur Kenntnis und danken für die ausführliche Darstellung der gegenwärtigen psychiatrischen Versorgungssituation.
Sie stellen fest, dass die psychiatrischen Versorgungsstrukturen in Deutschland inzwischen – bei länderspezifischen Besonderheiten – ein hohes Niveau und eine hohe Effizienz erreicht haben, die in vielen Bereichen eine moderne psychiatrische Versorgung gewährleisten.
Dennoch ist es bis heute nicht gelungen, die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen aufzuheben. Diese gesellschaftliche Aufgabe der Entstigmatisierung kann von der Psychiatrie allein nicht bewältigt werden, sondern bedarf weiterhin großer Anstrengungen aller gesellschaftlich relevanten Kräfte. In diesen Prozess sind auch Angehörige, Psychiatrie-Erfahrene und Selbsthilfeorganisationen einzubinden.
Die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren sehen im Erhalt und in der Wiederherstellung seelischer Gesundheit ein zentrales Anliegen der deutschen Gesundheitspolitik und unterstützen ausdrücklich diesbezügliche Aktivitäten. Die Analyse der gegenwärtigen Strukturen und die Handlungsempfehlungen im Bericht der AOLG/AG Psychiatrie gibt hierzu eine wichtige Orientierungshilfe. Es lassen sich daraus Vorschläge und Strategien zur strukturellen Weiterentwicklung ableiten. Dies gilt insbesondere für
- die Versorgungsunterschiede zwischen Stadt und Land,
- die nicht ausreichende Präzisierung der Gemeinsamkeiten und der speziellen Unterschiede der psychiatrischen und der psychotherapeutischen Versorgung sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich inklusive der Fragen der Wissenschaftlichkeit und der Verbesserung der Qualitätssicherung der Behandlungsverfahren und
- die unzureichende Verknüpfung von Kinder- und Jugendpsychiatrie, Pädiatrie und Jugendhilfe bis hin zur Prüfung inwieweit kinder- und jugendpsychiatrische und pädiatrische Versorgung angesichts der demografischen Entwicklung einer neuen gemeinsamen Struktur bedürfen.
Deshalb empfehlen die Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren, die Weiterentwicklung des psychiatrischen Versorgungssystems an den Handlungsempfehlungen des Berichts auszurichten.
Sie beauftragen die AOLG/AG Psychiatrie, bis 2008 der GMK einen Vorschlag zu unterbreiten, welche Schwerpunktthemen in dem nächsten Bericht mit welcher Fragestellung bearbeitet werden sollen. Weiter soll ein Vorschlag zu einem reduzierten Datensatz erarbeitet werden.
Anlagen:
- Psychiatrie in Deutschland - Strukturen, Leistungen, Perspektiven (PDF, 1041 kB)
- Tabellenanhang zum Bericht "Psychiatrie in Deutschland - Strukturen, Leistungen, Perspektiven" (PDF, 389 kB)
